INTERVIEW Khadouja Tamzini
PUBLIZIERT 02. FEB 2025
OBK ist ein aufstrebender Künstler, der sich mit der Schnittstelle zwischen neuen Technologien und menschlichen Sinneserfahrungen beschäftigt. Indem er sowohl den Tastsinn als auch das Sehen einbezieht, schafft OBK interaktive Werke, die das Publikum dazu einladen, das Kunstwerk zu beobachten und sich physisch mit ihm auseinanderzusetzen. Seine Projekte, die sich auf Bewegung und Frequenzen konzentrieren, fordern die Wahrnehmung heraus und verändern die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Durch die Manipulation von Perspektiven und sensorischen Interaktionen erweitern OBKs Arbeiten das Verständnis des Publikums für seine Umgebung und die Objekte darin.
// Was reizt dich daran, an einem Licht- und Medienkunstprojekt in Lüdenscheid teilzunehmen?
Lüdenscheid hat eine lange Tradition als „Stadt des Lichts“ und bietet damit eine natürliche Bühne für Licht- und Medienkunst. Die Möglichkeit, zu diesem Erbe beizutragen, ist sowohl spannend als auch eine große Ehre. Teil der LICHTROUTEN zu sein, erlaubt mir, meine Arbeit mit einer Stadt zu verbinden, die Licht nicht nur als kulturelles Element, sondern als Teil ihrer Identität versteht.
// Warum hast du dich entschieden, an der diesjährigen LICHTROUTEN-Edition teilzunehmen?
Das Thema der LICHTROUTEN passt perfekt zu meiner künstlerischen Praxis, die sich oft um Energie, Bewegung und Interaktion dreht. Zudem bietet das Festival die Möglichkeit, ein breites Publikum im öffentlichen Raum zu erreichen und meine Arbeit so zugänglich und ansprechend für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu gestalten.
// Wie beeinflusst der Kontext der LICHTROUTEN dein Werk? Gibt es lokale Elemente oder Aspekte, die du integriert hast?
Ich habe mich von der industriellen Vergangenheit der Region inspirieren lassen und darüber nachgedacht, welche Rolle Licht im Laufe der Zeit für die Gemeinschaft gespielt hat. Zudem habe ich das Thema „Neue Energien“ durch interaktive Technologien wie Kinect aufgegriffen – ein Symbol für den zukunftsorientierten Ansatz der Stadt, das aber gleichzeitig in ihrer Geschichte verwurzelt ist.
// Kannst du uns durch deinen kreativen Prozess für dieses Werk führen – von den ersten Ideen über das Konzept bis hin zur finalen Umsetzung?
Der Prozess begann mit einer Recherche zur kulturellen und architektonischen Geschichte Lüdenscheids. Ich suchte nach visuellen Möglichkeiten, Energieflüsse darzustellen, inspiriert von Himmelsphänomenen wie Sonnenstürmen oder Galaxien. Mit TouchDesigner und Kinect entwickelte ich ein System, in dem Besucher mit Licht interagieren und dynamische, energieähnliche Visuals erzeugen können. Durch Prototypen testete ich die Interaktion und optimierte sie, um sie intuitiv und ansprechend zu gestalten. Der letzte Schritt bestand darin, die Arbeit in einem Raum zu testen, der dem Installationsort ähnelt, um sowohl Ästhetik als auch technische Zuverlässigkeit sicherzustellen.
// Inwiefern steht dieses Werk in Verbindung mit oder im Gegensatz zu deiner bisherigen künstlerischen Praxis?
Das Werk ist eine konsequente Weiterentwicklung meiner Praxis, da ich oft mit den Themen Energie, Interaktion und immersive Umgebungen arbeite. Gleichzeitig ist es eine neue Herausforderung, da es stark ortsspezifisch ist und sich auf die einzigartige kulturelle Identität Lüdenscheids bezieht. Zudem fordert mich der öffentliche Raum heraus, etwas zu schaffen, das universell zugänglich ist, ohne dabei die konzeptionelle Tiefe zu verlieren.
// Wie gehst du an die Schaffung von Kunst für den öffentlichen Raum heran? Welche besonderen Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus?
Kunst im öffentlichen Raum zu erschaffen, bedeutet, die Balance zwischen Zugänglichkeit und künstlerischer Integrität zu finden. Die Herausforderung besteht darin, ein Werk zu gestalten, das für ein diverses Publikum relevant ist, ohne an konzeptioneller Stärke zu verlieren. Die Chance liegt darin, Menschen in ihrem Alltag zu überraschen und zu begeistern, sei es durch neue Denkanstöße oder einfach durch die Freude am Erleben.
// Wie setzt du dich in deiner künstlerischen Praxis mit Licht und Medien auseinander? Was hat dich dazu gebracht, mit diesen Elementen zu arbeiten?
Licht ist ein kraftvolles Symbol für Energie, Transformation und Verbindung. Medien wie Kinect und TouchDesigner ermöglichen es mir, Licht zum Leben zu erwecken, es interaktiv und responsiv zu gestalten. Mich fasziniert, dass diese Medien unendlich viele Möglichkeiten bieten, immersive, multisensorische Erfahrungen zu schaffen, die sowohl den Geist als auch den Körper einbinden.
// Welche Technologien verwendest du in dieser Arbeit? Wie tragen sie zu deiner künstlerischen Vision bei?
Ich nutze Kinect zur Bewegungserkennung und TouchDesigner für generative Echtzeit-Visuals. Diese Technologien ermöglichen es mir, eine interaktive, sich ständig verändernde Installation zu schaffen, bei der Besucher Licht durch ihre Bewegungen „formen“ können. Das steht im Einklang mit meiner Vision, menschliche Interaktion mit Energie sichtbar zu machen.
// Mit Blick auf die Zukunft – wie siehst du die Entwicklung von Licht- und Medienkunst in einer sich wandelnden Welt? Welche zukünftigen Richtungen in diesem Bereich begeistern dich besonders?
Mit dem technologischen Fortschritt wird Licht- und Medienkunst immer immersiver und nachhaltiger. Ich glaube, dass Künstler zunehmend erneuerbare Energiequellen nutzen werden, um Installationen zu betreiben – im Einklang mit globalen Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen. Besonders spannend finde ich die Integration von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality, die Licht- und Medienkunst noch interaktiver und persönlicher machen könnte.
// Wie wünschst du dir, dass die Besucher_innen mit deiner Arbeit interagieren oder sie erleben? Welche Botschaft möchtest du vermitteln?
Ich hoffe, dass die Besucher_innen ein Gefühl des Staunens und der Selbstermächtigung erleben, wenn sie mit dem Werk interagieren und dabei erkennen, wie sehr sie ihre Umgebung beeinflussen können. Die zentrale Botschaft ist, dass Energie, sei es kosmische, technologische oder menschliche, dynamisch und miteinander verbunden ist und dass wir alle die Kraft haben, sie zu formen.
// Gibt es Künstler_innen oder Werke im diesjährigen Festivalprogramm, die dich besonders inspirieren?
Mich faszinieren besonders Künstler_innen, die sich mit der Schnittstelle von Technologie und menschlicher Erfahrung beschäftigen. Ich freue mich darauf, Werke zu entdecken, die die Grenzen der Licht- und Medienkunst erweitern, und auf den Austausch mit anderen Teilnehmerinnen.
// Hast du Empfehlungen für das Publikum?
Nehmt euch Zeit, um die einzelnen Werke zu erkunden – Licht- und Medienkunst entfaltet oft erst mit längerer Betrachtung ihre volle Tiefe. Habt keine Scheu, mit den Installationen zu interagieren – eure Teilnahme vervollständigt oft das Erlebnis. Und lasst euch von der Atmosphäre Lüdenscheids inspirieren, denn während des Festivals wird die ganze Stadt zu einer lebendigen Leinwand.