INTERVIEW Karoline Ketelhake
PUBLIZIERT 16. FEB 2025
Isabelle Kirsch ist eine Licht- und Medienkünstlerin aus Saarbrücken. Derzeit hat sie ein Atelier-Stipendium beim KuBa – Kulturzentrum am EuroBahnhof e.V. in Saarbrücken.
Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Arbeitsweise, ihren künstlerischen Werdegang und einen kleinen Vorgeschmack darauf, was uns in Lüdenscheid erwartet. Sie wird ihr Kunstwerk Organismus ausstellen bei LICHTROUTEN.
// Wie funktionieren die Objekte in Organismus? Welche technischen Mechanismen liegen dem Werk zugrunde?
„Organismus“ besteht aus mehreren artifiziellen Körpern, wodurch entweder Lichtsequenzen durch ein selbstleuchtendes Exoskelett pulsieren oder zarte kinetische Kontraktionen die Körper zusammenziehen. Die Farbverläufe werden mittels digitalen LEDs erzeugt und beziehen sich auf die Farben des Tages. Der kinetische Körper verfügt über ein Seilzugsystem, das mittels Motoren angesteuert wird, um dem Objekt Lebendigkeit zu verleihen.
// Was inspiriert dich dazu, in deinen Projekten die Verbindung zwischen natürlichen Formen – wie in der Serie Organismus – und Technologie zu erforschen?
In Zeiten von Technisierung, Digitalisierung und mittlerweile auch künstlicher Intelligenz ändert sich der Blick auf die Natur. Sie wird mit einer gewissen Selbstverständlichkeit nachgeahmt und perfektioniert. Ich bediene mich künstlicher Materialien und programmierter Techniken, verschmelzen sie mit Strukturen der Natur, um eine Fiktione zu illusionieren. Ob „Organismus“ eine träumerische Utopie oder konfrontative Dystopie ist, darf jeder Betrachter für sich selbst entscheiden.
// Wo findest du deine Fundstücke?
Ich sammle Fundstücke in urbaner als auch natürlicher Umgebung. Besonders interessant finde ich Orte, wo Natur und menschlicher Einfluss aufeinander treffen. Häufig nehme ich Fundstücke direkt mit oder erstelle Fotografien und Bewegtbilder, um diese später in Installationen und Animation zu verwerten. In „Organismus“ habe ich beispielsweise Fotografien von Sonnenuntergänge, einer halbjährigen Reise, zu einer niedrig auflösenden Animation entwickelt, welche nun das Wellrohr durchfließt.
// Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zur fertigen Installation?
Von der Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung eines Projektes dauert es häufig länger. Mir ist der Präsentationsort wichtig, deshalb konkretisiere ich Ideen häufig erst, wenn der Rahmen steht. Je nach Umfang und Technik kann die Entwicklung einer aufwändigen Installation neben anderen Projekten schon mal zwei Jahre in Anspruch nehmen.
// Du hast dich früh für das Medium Licht entschieden – warum?
Ich komme aus dem Bereich digitale Medien, Fotografie und Video. In einer Gemeinschaftsproduktion mit einem Lichttechniker entwickelte ich eine Videoinstallation. Dies war der Anlass, mich selbst dem Feld Licht zu widmen. Während meines Masters und Meisters bei Daniel Hausig beschäftigte ich mich intensiv mit Licht und Raum. Ausgehend vom Raum sind mir nun auch andere Sinneseindrücke wichtig.
// Du beschreibst deine Kunstwerke als immersiv. Wie tauchen die Betrachtenden in dein Werk ein?
Ich schaffe Räume zur Wahrnehmung, das Werk wird zu einem Raum in dem der Betrachter eintaucht und visuelle, kinetische oder auditive Eindrücke mit verschiedenen Sinnen erlebt. Der Betrachter kann dann in solch intimen Situationen mit dem Werk in Dialog treten. So auch in „Organismus“ – wo das Einlassen auf eine Lebendigkeit mit Nähe durch organische Strukturen und Distanz durch die Künstlichkeit des Materials spürbar ist.
// Hast du Tipps für Künstler:innen am Anfang ihres künstlerischen Werdegangs?
Ich sehe mich selbst noch am Anfang meines Werdegangs, aber aktuell kann ich folgendes mitgeben: dran bleiben, positiv denken und mit Spaß dabei sein. Ich hatte Glück mit dem Atelierstipendium einen guten Start nach dem Studium zu bekommen und lebe nach der Philosophie, wenn man Energie in etwas investiert, kommt diese auf indirektem oder direktem Weg wieder zu einem zurück. Ich bin jedenfalls gespannt, wo mich das Leben weiter hin führt.