INTERVIEW Alexandra Alexandropoulou
PUBLIZIERT 7. MAR 2025
Glas, Licht und Energie verweben sich in dem Kunstwerk „Diafanizado“ von Elías López. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Material, mit Prozessen der Transformation und der Selbstfindung. In seiner künstlerischen Arbeit erkundet er die physischen und metaphorischen Dimensionen der Transparenz und stellt Verbindungen zwischen Glasguss, wissenschaftlicher Analyse und spiritueller Arbeit her.
In Anlehnung an ein japanische Sprichwort von den drei Masken, die jede von trägt, entfaltet sich das Gespräch über die fließende Natur von Identität und Wahrnehmung. Wie wird das Licht zu einem Gefäß für Sichtbarkeit und Verbergen zugleich? Und was passiert, wenn die unsichtbaren Kräfte in uns sichtbar und transparent gemacht werden?
// Wie bezieht sich deine Arbeit mit Glas und Transparenz auf Energie als physische und metaphorische Kraft im künstlerischen Schaffen?
Ich beginne mit der Energie als physische Kraft oder dem Phänomen der Elektrizität in meinem Projekt „Diafanizado“. Ich untersuche die Möglichkeit, Glas als Projektionsmaterial zu verwenden. Wenn man versucht, Glas mit Licht interagieren zu lassen, wird je nach Materialialität oder Form des Glases entweder einen Teil des Lichts zu einem anderen Punkt reflektiert oder die verschiedenen Wellenlängen des Lichts brechen sich. Mein Ansatz besteht also darin, ein Objekt zu schaffen, in dem das Licht „gehalten“ werden kann.
Wenn ich über die spirituelle Seite des Themas Energie spreche, erforsche ich in diesem Projekt die konzeptionelle Seite, in der ich ein japanisches Sprichwort aufgreife, das besagt, dass man drei „Gesichter“ oder „Masken“ hat: Eines, das wir unserer Familie und nahen Verwandten zeigen, eines, das wir unserem offenen Kreis oder unserer Umgebung zeigen und eines, das wir für uns behalten.
Es gibt auch einen psychologischen Ansatz, der das Verhalten studiert und erwähnt, dass Menschen in der Regel unterschiedliche Verhaltensweisen entwickeln, je nachdem, von wem wir umgeben sind. In beiden Konzepten werden diese Masken, Kanäle, Gesichter oder Verhaltensweisen von der Umgebung gesteuert, nicht vom Selbst. Ich verbinde meinen Lebensprozess mit diesen Konzepten, um dieses Projekt ins Leben zu rufen, in dem ich beabsichtige, diese Masken transparent zu machen, um ein authentisches Selbst zu finden und zu zeigen, mein Hauptziel in meiner spirituellen Entwicklung.
// Der Titel „Diafanizado“ bezieht sich auf eine wissenschaftliche Technik, die Diaphanisation. Die Diaphanisation ist eine Färbetechnik, die bei Tierpräparaten angewendet wird. Dabei wird der Körper des Tieres zunächst durch ein Bad in Trypsin transparent gemacht und anschließend werden die Knochen und Knorpel mit verschiedenen Farbstoffen gefärbt, in der Regel Alizarinrot und Alcianblau. Wie siehst du die Beziehung zwischen deiner Arbeit und biologischen oder anatomischen Prozessen?
Ich beziehe mich auf den chemischen Prozess, bei dem das weiche Gewebe eines toten Lebewesens durchsichtig gemacht werden kann, wodurch es leichter zu untersuchen ist. Im Spanischen heißt es „diafanizació“, im Lateinischen „diaphanous“, was so viel bedeutet wie durchsichtig oder lichtdurchlässig.
Die Etymologie des Wortes steht im Zusammenhang mit dem Zweck, das Glas manuell zu bearbeiten, es transparent oder zumindest teilweise transparent zu machen, damit die Projektion erhalten bleibt, man aber immer noch durch das Objekt hindurchsehen kann. Einige andere ästhetische Entscheidungen in Bezug auf die Videoübertragung wurden in Anbetracht dessen getroffen, wie tote Lebewesen aussehen, nachdem sie diaphanisiert wurden.
// Inwiefern setzt sich das Kunstwerk mit Themen wie Transformation, Nachhaltigkeit und persönlichem Wachstum auseinander und reflektiert die Rolle der Energie bei Selbstfindungs- und Materialprozessen?
Es geht darum wie neuen Generationen von der Weisheit der Vorfahren berührt werden: Spiritualität von einer esoterischen Seite. Alternative Praktiken spielten bei den Ureinwohnenden schon vor so langer Zeit eine große Rolle, und wir befinden uns in einer Zeit, in der dank der Globalisierung Botschaften, Kulturen, Praktiken und Begegnungen von überall auf der Welt zu sehen sind. In meinem Umgang mit dem Material entsteht eine Metapher für den Prozess der Selbstfindung. Zugleich ist es ein materielles Werk, das Ausdruck von Spiritualität ist.
// Dein Projekt zieht Parallelen zwischen wissenschaftlichen Prozessen wie der Diaphonisierung und der emotionalen oder psychologischen Evolution. Inwiefern trägt dieser Ansatz Ihrer Meinung nach zu einer breiteren Diskussion über kollektive Energie, Resilienz und Umweltbewusstsein bei?
Diese Parallelen reichen weiter als mein Ansatz. Im Laufe meiner Selbstentwicklung bin ich auf verschiedene esoterische Praktiken und psychologische Theorien gestoßen, die mich zu einer anderen Art von Mentoring und Wissensvermittlung geführt haben.
Ich bin Autodidakt, das gibt mir eine Freiheit und eine Vielfalt der Perspektiven, Werkzeuge und die Offenheit, um zu verstehen, wie Verbindungen hergestellt werden können. So kann ich die Welt verstehen, auch die, die nicht so sehr mit Kunst zu tun hat.
BEITRAGSBILD
Elías López: Diafanizado. GOLDSTÜCKE Gelsenkirchen 2024. Photo: Lars Gonikman.